Christian Köhl wurde am 2. März 1837 im Walthier-Schwarsche Gut im Lürlibad geboren (Heute Campodelsweg 11). Dort verbrachte er auch seine ersten 3 Lebensjahre. Sein Vater Simeon Köhl, Schmiedemeister in Chur, ging 1845 beim Versuch eine Sägerei zu eröffnen, Konkurs. Aus Furcht vor seinen Gläubigern flüchtete sein Vater 1845 alleine nach Amerika. Da der Vater alles Geld verlor war die Familie hoch verschuldet und bitterarm. Die Mutter wurde einem Vormund unterstellt. Christian und seine Geschwistern wurden kurz danach in das Waisenhaus eingewiesen, die älteste Schwester, Anna, kam bei Verwandten unter. Zur Zeit dieses Dramas war Christian gerade mal 8 Jahre alt. Christian wuchs im Waisenhaus auf, vermutlich in der «Rettungs- und Waisenanstalt» Foral in Chur. Foral in Chur. Doch die Kinder von Simeon waren nicht die einzigen Köhls im Waisenhaus. Auch die Kinder des Gerbers Isaak Köhl wurden ein paar Jahre später im Waisenhaus untergebracht. Auch Peter Köhl, der Sohn von Luzia Meier, muss für 1 Jahr ins Waisenhaus.
Christian verbrachte 9 Jahre im Waisenhaus ohne weiter negativ aufzufallen. Mit 17 Jahren wurde er aus dem Waisenhaus entlassen und durfte bei Schreiner Risch eine Lehre beginnen. 1855 ging sein Vater in Nordamerika erneut Konkurs und musste erneut flüchten, dem Vernehmen nach nach Brasilien. Nach abgeschlossener Lehre war er eine Zeitlang beim städtischen Forstamt angestellt. Ansonsten hatte er wohl mit Gelegenheitsarbeiten ein bescheidenes Einkommen.
Christian heiratete am 6.8.1865 im der reformierten Kirchli von Mastrils Elisabeth Rieder. Elisabeth war Bürgerin von Fanas (Prättigau) und war als Tochter von Peter Rieder und Ursula Schmid in Schiers mit mindestens 5 Geschwistern aufgewachsen. Elisabeth war zur Zeit der Hochzeit bereits schwanger. Kurz nach der Geburt der Tochter Ursula entschloss die kleine Familie Chur zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Da ihm die Mittel fehlten bat Christian deshalb die Armenkommission Chur um Geld für die Ausreise. Das Gesuch wurde abgewiesen, die Kommission glaubte nicht daran dass er in Amerika durchkommen würde und in Chur bessere Möglichkeiten für ein Einkommen habe. Christian hatte die Anstellung beim städtischen Forstamt verloren, eine Auswanderung war auch nicht möglich. So suchte er verzweifelt eine sichere Anstellung mit einem geregelten Einkommen. Am 9 April 1866 bewarb sich Christian auf eine Stelle als Polizeidiener der Stadt Chur.[83]
Es ist nicht bekannt ob er die Anstellung erhalten hat. Die Familie wuchs weiter an, 3 weitere Töchter, Anna, Elisabeth und Maria, kamen hinzu. Elisabeth war geistig behindert und benötigte besondere Zuwendung der Eltern.
Ehefrau: Elisabeth Rieder
Kinder: 8
Beruf: Schreinermeister
pdf, 824.8K, 04.04.22, 128 downloads
1873 wurde Christian erstmals als Aufseher im Totengut erwähnt wird. Vielleicht hatte er vorher schon dort gewohnt[65]. Christian lebte dort mit seiner Familie und war von 1873-1878 Aufseher im Totengut. Auch sein Bruder, Johannes Köhl (1841-†1909) - Der Taubstumme, war mehrere Jahre im Totengut untergebracht.
Christian sorgte nicht nur für Frau und Töchter, er kümmerte sich auch um seinen taubstummen Bruder Johannes. Dieser war in der Armenanstalt Realta untergebracht. Er versuchte erstmals 1873 ihn zu sich nach Chur zu holen. Die Armenpflege notierte am 9.2.1874 jedoch abschliessend: «Die über Köhl Johann erhobenen Informationen lauten nicht günstig, selbiger sei jähzorniger Natur und dürfte einer Unterbringung bei seinem Bruder Christian Köhl im Totengut nicht geeignet erscheinen»[65].
Um 1872 entstanden vermutlich erneut Pläne zur Auswanderung nach Nordamerika entstanden sein. Nachdem Elisabeth vier Töchter geboren hatte, wurde sie Anfang 1873 erneut schwanger. Die Schwester von Christians Frau, Eva Rieder1, hatte 1868 den ebenfalls aus Fanas stammenden Christian Mayer2 geheiratet. Eva wanderte im Juni 1873 mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern nach Lincoln Township (Polk county, Iowa) aus. Lincoln Township wurde vor allem landwirtschaftlich genutzt und Christian Mayer arbeitete als Farmer, vermutlich mit eigener Farm. Vielleicht hatten die Familien Köhl/Mayer geplant, zusammen auszuwandern. Da Christian das Geld fehlte, hätte er allenfalls erst später nachkommen können. Oder die Mayers hatten nach erfolgreicher Auswanderung der Familie Köhl empfohlen zu ihnen zu kommen. Es wäre auch möglich, dass sie nach Baltimore zur Familie Bruesch auswandern wollten. Diese hatten sich 1871 erfolgreich dort niedergelassen.
Christian versuchte das nötige Geld für die Reise in die USA aufzutreiben. Am 31.8.1873 behandelte der Stadtrat ein Gesuch von Christian: «Schreiner Christian Köhl beabsichtigt, mit seiner zahlreichen Familie und mit seinem auf Kosten der städtischen Armenpflege in der Armenanstalt Realta untergebrachten Bruder Johannes nach Amerika auszuwandern und wendet sich mit gestriger Einlage an den Stadtrath mit dem Gesuche ihm behufs Ausführung seines Vorhabens mit dem nötigen Reisegeld behülflich zu sein. Es wird beschlossen dem Petenten gegen Ueberlassung der zwei von ihm und seinem Bruder innehabenden Gemeingüter an die Stadt den hierfür festgesetzten gewöhnlichen Betrag von Fr 170.-- aus der Gemeingüter Kasse zukommen zu lassen»[85]
Kurz danach wurde Köhl Simeon, der erste Sohn geboren. Er wurde nach seinem Grossvater benannt.
Um die Reisekosten von ca. Fr. 1000.-- zu decken reichte der Beitrag des Stadtrats aber nicht. Deshalb versuchte er bei der Churer Armenpflege Geld zu erhalten. Diese wies aber am 29.10.1873 seinen Antrag zurück mit dem Vermerk: «Für sich selbst und seine Familie möge er sich bei seinen wohlhabenden Verwandten verwenden»[65].
Irgendwie schaffte er es das Geld aufzutreiben. Im Februar 1874 brach Christian gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth, den fünf Kindern und seinem Bruder Johannes voller Hoffnung nach Nordamerika auf. Als Ziel galt wohl Lincoln Township in Iowa oder auch Baltimore. Doch die Reise über den Ozean sollte kein glückliches Ende nehmen. Am 17. März 1874 starb der erst fünf Monate alte Sohn Simeon auf der Überfahrt an einer Lungenentzündung – ein tragischer Verlust, der die Familie schwer traf und die Träume vom neuen Leben überschattete.
Ob sie tatsächlich den Boden Nordamerikas erreichten, bleibt im Dunkeln. Doch es scheint dass auch Christian während der Reise erkrankte. Man kann sich vorstellen, wie die Trauer um Simeon und die gleichzeitig zunehmende Schwäche des Vaters Christian die Reise überschatteten. Vielleicht war es seine Erkrankung, die die Einwanderungsbehörden veranlasste, der Familie die Einreise zu verweigern. So zerbrach der Traum von Amerika, und der Weg führte sie im April 1874 zurück nach Chur. Christian, geschwächt, aber entschlossen, nahm im Armenheim Totengut erneut seine Arbeit als Aufseher auf. Doch die Strapazen hatten tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur sein Sohn Simeon hatte sein Leben verloren – auch Christian selbst war von Krankheit gezeichnet. Schon im Juni musste er seine Tätigkeit niederlegen und wurde nach Seewis zur Kur geschickt. Die Genesung brachte ihm schliesslich Erleichterung, sodass er wieder in seinen Beruf zurückkehren konnte.
Ein Jahr später, 1875, schenkte das Schicksal der Familie Köhl neues Leben: Im Totengut wurde ein weiterer Sohn geboren. Er erhielt den Namen Christian, so wie sein Vater, und wurde nach dem Tod Simeons nun zum ältesten Söhn. In ihm spiegelten sich die Erinnerung an den erlittenen Verlust und zugleich die Hoffnung auf einen Neubeginn.
Nach 5 Jahren als Aufseher im Totengut hatte er genug von den Streitereien mit den Mitbewohnern. Christian kündigte 1878 seine Anstellung, konnte aber weiterhin dort wohnen. Er arbeitete nun wieder als Schreiner, wurde aber von der Armenkommission mehrmals verwarnt da Lärm und Rauch die Bewohner des Armenhauses belästigten. Anfangs 1879 wurde der Familie die Wohnung im Totengut gekündigt und sie mussten ausziehen. Die Familie bezog eine Wohnung im etwas vernachlässigten Haus «zur Turteltaube» an der Rabengasse 10. Da das Einkommen von Christian noch zu gering war zahlte die Armenpflege zu Beginn noch die Miete der neuen Wohnung.
Ohne sein Einkommen als Aufseher mangelte es weiter an Geld. 1879 bewarb sich Christian für die Stelle als Schuldiener der Stadtschule. In seiner Bewerbung bittet er eindringlich um eine Berücksichtigung: «Ich will nur bemerken dass meine Anmeldung in der Verdienstlosigkeit der jetzigen ja wüsten Zeit ihren Grund hat wo es so überaus schwer ist für einen mittellosen Mann wie ich bin, eine Familie mit 7 Personen, wovon 5 unerwachsene Kinder, mit Ehren durchs Leben zu bringen. Ihn solcher Lage ist man froh, wenn irgendwo eine Hoffnung aufgeht zu einem einigermassen ausreichenden ehrlichen Verdienst.». 33 Personen bewarben sich für diese Stelle. Christian wurde nicht in die nähere Auswahl aufgenommen.[86]
Im selben Jahr wurde dann ein weiterer Sohn, Peter, zuhause an der Rabengasse 10 geboren. Christian arbeitete weiter als Schreiner, erhielt unter anderem von der Stadt den Auftrag zum Täfern eines Zimmers im neu gebauten Bürgerasyl. Es gibt Hinweise dass er in der Möbelfabrik an der Sägenstrasse 83 einen Raum oder Schuppen mietete, welchen er für seine Schreinerarbeiten nutzte. Allenfalls war er in der Möbelfabrik auch als Schreiner angestellt.
1883, Christian war 46 Jahre alt und seit 4 Jahren als Schreiner tätig, kam eine weitere Tochter, Eva, zur Welt. Das karge Einkommen schien knapp zu reichen und er benötigte keine Unterstützung der Armenkommission mehr. Die Schwester von Christians Frau, Eva Rieder-Mayer, wohnte weiterhin mit ihrer Familie in Iowa.
Um 1883 zog die Familie Mayer-Rieder von Lincoln Township nach Meservey, Cerro Gordo, Iowa um. Vermutlich kauften sie dort ein neues Stück Land und wollen einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb aufbauen. Die Ortschaft Meservey wurde erst 1886 gegründet, kurz nachdem eine Eisenbahnlinie zwischen Mason City und Fort Dodge gebaut worden war.
pdf, 1.6M, 04.04.22, 115 downloads
Es könnte sein, dass die Familie Mayer-Rieder Christian einlud, sie beim Aufbau des neuen Hofes als Schreiner zu unterstützen. Sie boten ihm wohl auch genug Geld um die Reise, seinen Aufenthalt und den Unterhalt seiner Familie in Chur zu finanzieren. Im Oktober 1883 dürfte Christian dann abgereist sein. Elisabeth blieb mit den Kindern, die Älteste (Ursula) war 17, die Jüngste (Eva) war gerade geboren worden, in Chur zurück.
Am 8. November 1883 lief in New York City die S.S. Labrador ein. Gestartet in Havre, Frankreich. Mit an Bord ein Christian (“Chretien”) Kohl, Carpenter (Schreiner), geb. 1837 in der Schweiz. Alter, Beruf und Herkunft stimmen überein. Reiseziel: Iowa. Absicht: ein langer Besuch.
Von New York reiste er, vermutlich mit der neu erstellten Eisenbahn, weiter nach Meservey. Im Oktober 1883 wird im Bürgerregister festgehalten, dass er sich in Amerika befinde. Erst 1885 ist er gemäss Einwohnerkontrolle wieder in Chur, scheint also aus Nordamerika zurückgekehrt zu sein. Er könnte also über ein Jahr abwesend gewesen sein.
Zur gleichen Zeit, also um 1884, zog der aus Hügelheim-DE stammenden Gustav Gmelin nach Chur. Gmelin entstammte einem schwäbischen Geschlecht dessen Ursprünge bis zum Beginn des 16. Jhd. belegt sind. Aus der weit verzweigten Familie gingen seit dem 16. Jh. u. a. bedeutende Geisteswissenschaftler, Theologen, Naturforscher und Naturwissenschaftler hervor. Sein Vater, Gustav Adolf Gmelin (1834–1872), lebte mit seiner Familie in Hügelheim und war Küfer von Beruf, wie auch schon seine Vorfahren.[106] Als er starb war sein Sohn Gustav Adolf erst 9 Jahre alt, hatte noch eine ältere Schwester. Sein Bruder Friedrich Gmelin, ebenfalls Küfer in Hügelsheim, dürfte wohl das Geschäft des verstorbenen Gustav Adolf übernommen haben. Es kann gut sein, dass Gustav Adolf eine Lehre bei seinem Onkel machte, danach aber Hügelheim verliess. Weshalb er mit 21 Jahren nach Chur kam, ist unbekannt. Er dürfte aber vermögend gewesen sein.
Gustav Adolf arbeitete und wohnte im Haus an der Sägenstrasse 83, gleich neben der Möbelfabrik. Gustav Adolf pachtete im gleichen Jahr die Möbelfabrik Färber & Cie an der Sägenstrasse von der Witwe Färber. Gustav Adolf war nicht nur ein guter Handwerker, sondern auch ein begnadeter Geschäftsmann. Er bewarb sogleich seine Dienstleistungen und die Möbelhalle.
Dort dürfte er dann auch Christian und seine älteste Tochter, Ursula, kennengelernt haben. In letztere verliebte sich der tüchtige Schreiner. Und so kam es, dass Ursula und Gustav Adolf 1886 heirateten und in der Wohnung beim Schreinereibetrieb zusammenzogen. Die beiden Kinder Christian und Elisabeth wohnten nun auch im Wohnhaus an der Sägenstrasse 83.
Sein Sohn Christian dürfte in der Werkstatt an der Sägenstrasse seine Lehre zum Schreiner gemacht haben. Auch der jüngere Sohn, Peter, dürfte in diesem Betrieb seine Lehre gemacht haben.
Nachdem Christians Familie 14 Jahre im an der Rabengasse gewohnt hatte zogen sie 1893 an die Storchengasse 18. Das Wohnhaus befand sich neben einem Stall, welcher 1909 abgebrochen wurde. Das Haus selber war gemäss einer Erhebung aus dieser Zeit verlottert, baufällig und schlecht unterhalten, düster, hatte nur 1 Abort im ganzen Haus. Die Inspektoren vermerkten: «Im ganzen Gebäude düster, schwer, starker Geruch. Bei Feuerausbruch wären die Bewohner in größter Gefahr».
1894 erkrankte Christian an Rheumatismus, musste mehrere Wochen im Spital behandelt werden und ging zur Kur. Durch seine Erkrankung konnte er zeitweise nicht mehr arbeiten und wurde von der Armenhilfe unterstützt. Seine beiden Söhne Peter und Christian hatten nach Abschluss ihrer Lehre die Möbelfabrik verlassen und waren auf Wanderung gegangen.
Seine zweitälteste Tochter Anna heiratete 1896 in Chur Anton Rungger (28, Bürger von Versam, geboren in Chur, unehelicher Sohn der Margreth Rungger) welcher in St. Gallen als Schlosser arbeitet. Zeugen der Heirat waren Schreiner Gustav Adolf und seine Frau Ursula Gmelin-Köhl. Das Paar zog danach für ein paar Jahre nach St. Gallen. 1899, kurz vor der Geburt der ersten Tochter, kehrte das Paar wieder nach Chur zurück, wo ihre Tochter und Christians Enkel Maria Elisabeth geboren wurde. Kurz nach der Geburt starb Anton bei einem Unfall. Anna und ihr Neugeborenes zogen zu Christian an die Storchengasse, ihre Eltern halfen ihr durch diese schwere Zeit.
Christians viertälteste Tochter Maria heiratete 1901 den Churer Hans Killias (1858–1942), Sohn des Gerbergesellen Andreas Killias (1830–1894) und Christina Guler (1829–1860). Hans hatte in Zürich als Forstingenieur promoviert und war bei der Stadt Chur angestellt.
Sein Schwiegersohn Gustav Adolf Gmelin, inzwischen seit acht Jahren in Chur wohnhaft und Vater von vier Kindern, war als Möbelfabrikat sehr erfolgreich und baute sein Geschäft laufend aus. 1896 gründete er mit Herrn Ender die Gustav Gmelin & Ender Bau- und Möbelschreinerei an der Sägenstrasse 83.
Sechs Jahre später, also 1902, trat Ender aus dem Geschäft aus. Im gleichen Jahr erwarb Gustav Adolf Gmelin ein Grundstück an der Calandastrasse 25 und baute eine neue Schreinerei. 1908 trat der Schreiner Johann Knuchel in den Betrieb ein. Johann Knuchel stammte aus Iffwil im Kanton Bern und hatte 1907 Ursula Gmelin, Tochter von Gustav Adolf Gmelin, geheiratet. Knuchel wurde 1920 sogar Geschäftspartner der Firma, die sich fortan Gmelin & Knuchel, Mechanische Schreinerei, nannte. Der wohlhabende Möbelfabrikant liess sich 1920 in Chur einbürgern. 1927 verkaufte Gustav Adolf Gmelin seinen Betrieb für sFr. 32’000 an seinen Schwiegersohn Johann Knuchel.
Die Nachkommen der Familie Knuchel betreiben auch heute noch die Schreinerei Knuchel AG an der Felsenaustrasse 23B in Chur. Gustav Adolf und Ursula Köhl waren mit fünf Kindern gesegnet.
Christian wohnte seit 16 Jahre im verlotterten Haus an der Storchengasse. Da das Haus saniert wurde, mussten seine Familie ausziehen. Er zog zusammen mit seiner Ehefrau, Tochter Anna und Enkelin Maria Elisabeth in eine Wohnung an der Lürlibadstrasse 14. Das Haus war um 1840 erbaut worden und war im Besitz von Peter Neff. Seine geliebte Ehefrau Elisabeth Rieder war da vermutlich bereits erkrankt und wurde durch ihre Töchter Maria und Anna gepflegt. Elsbeth starb dort im Beisein ihrer Familie am 5. Mai 1909 um 4:50 Uhr nachmittags mit 68 Jahren an Marasmus.
Seine Tochter Maria und ihr Ehemann, Stadtwerkmeister Hans Killias, kauften sich Anfangs 1910 das grosse Wohnhaus an der Lürlibadstrasse 14 und zogen nun auch in ihr neues Heim. Auch Tochter Eva war wieder in Chur anwesend und wohnte für kurze Zeit im gleichen Haus. Christian arbeitete weiter als Schreiner im Werkhof der Stadt Chur. Vermutlich hatten sein Sohn Peter (Bauamt Chur) und Hans Killias (Werkmeister) ihm diese Stelle vermittelt. Anna war inzwischen mit dem Witwer Leonhard Allemann liiert. Sie heiratete den Bankangestellten 1911 und zog mit ihm, ihrer Tochter und und zwei Stieftöchtern an die Lürlibadstrasse 30, nur wenige Meter oberhalb des Hauses der Familie Köhl-Killias.
1912 gab es wieder eine grössere Veränderung. Christian bezog mit seiner Tochter Elisabeth eine Wohnung an der Masanserstrasse 2. Eva verliess Chur und arbeite wieder als Hotelangestellte. Sohn Christian musste ebenfalls umziehen und kaufte sich mit finanzieller Unterstützung seiner Verwandten ein Haus in Araschgen, im Riedwiesli 14, gleich vis a vis des Kurhauses. Anna Köhl-Allemann wohnte nun zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Stieftöchtern im Lürlibadstrasse 14. Ihre Tochter Maria Elisabeth Rungger, inzwischen 13 Jahre alt, begann eine Lehre als Hotelangestellte im Kurhaus Passugg. Vermutlich wohnte sie bei der Familie Köhl-Stemer im Riedwiesli.
1915 erkrankte seine Tochter Anna. Ein Jahr später musste sie ins Bürgerheim eingeliefert werden, wo sie 49 Jahre alt an Lungenkrebs starb. Der erste Weltkrieg und die vielen Entbehrungen forderten ein weiteres Opfer: 1917 starb auch sein ältester Sohn, Christian, an einem Beckenabszess. Dessen Kinder wurden in das Waisenhaus Chur eingewiesen. Es erfolgte der Umzug an die Bondastrasse 10, unweit des Walthier-Schwarzschen Gutes, in welchem er 80 Jahre zuvor geboren worden war. Er durfte noch die Geburt von neun Enkelkindern erleben. Christian lebte in seinen letzten Lebensjahren mit seinen beiden Töchtern Eva und Elisabeth zusammen. Eva, weiterhin unverheiratet, dürfte sich um ihren greisen Vater und die geistig beeinträchtigte Schwester gekümmert haben. 1922 zog Christian nochmals an die Lürlibadstrasse 14 zu seiner Tochter Maria Köhl-Killias. Im gleichen Haus hatte Leonhard Allemann mit seinen beiden Töchtern gewohnt. Er zog nun nach Felsberg. Neu war hier inzwischen auch der Bankangestellte Heinrich Michel eingezogen, welcher mit seiner Enkelin Maria Elisabeth Rungger liiert war.
Seine Töchter pflegten ihren Vater bis zu seinem Ableben. Nach einem bewegten Leben, das von einer schweren Kindheit, Armut, harter Arbeit und der Sorge um seine Familie geprägt war, verstarb Christian am 28. August 1922 um 19 Uhr zuhause bei seiner Tochter Maria im hohen Alter von 85 Jahren. Am 29. August 1922 wurde er auf dem Friedhof Daleu in Chur beigesetzt.
Mit seinen beiden Söhnen Peter und Christian sollte die Manneslinie des Angehörigen Simeon Köhl weitergeführt werden.
Anna Köhl heiratete 1896 Anton Rungger. Anton war Bürger von Versam, wurde jedoch als unehelicher Sohn der Margreth Rungger in Chur geboren. Er arbeitete als Schlosser in St. Gallen, so verliess sie Chur und lebte mit ihrem Ehemann in St. Gallen. Im Juni 1899, kurz vor der Geburt des ersten Kindes, kehrte das Paar nach Chur zurück. Anton arbeitete nun als Wagenwart in Chur. Maria Elisabeth Rungger wurde geboren. Wenige Monate nach der Geburt der Tochter starb Anton Rungger unerwartet mit nur 31 Jahren. Anna zog mit dem Neugeborenen zu ihren Eltern an die Storchengasse. Ihre Tochter wuchs also bei ihrer Familie in Chur auf und ging auch dort in die Schule. Maria Elisabeth wohnte später bei ihrer Tante Maria Köhl-Killias und zog 1912 nach Passugg, wo sie im Kurhaus als Hotelangestellte arbeitete. Ihr Cousin Christian Köhl wohnte in dieser Zeit gleich vis a vis in einem Walserhaus und evtl. wohnte sie in dessen Haus. 1926 kündigte sie ihre Stelle, kehrte nach Chur zurück und wohnte wieder bei ihrer Tante Maria Köhl-Killias. Sie heiratete im selben Jahr den aus Pagig/ La Punt stammenden Bankbeamten Heinrich Michel (1899–?). Dort wurde dann 1927 auch ihr erster Sohn Anton geboren. Die Familie Rungger-Michel wohnte bis 1930 im Haus der Familie Killias-Köhl an der Lürlibadstrasse 14. 1930, kurz vor der Geburt des zweiten Kindes, zogen sie um in die Lürlibadstrasse 22. Heinrich Michel arbeitete für die Bündner Kantonalbank. 1954 zog die Familie nach Frauenfeld, wo Maria Elisabeth 1971 starb. Ihr Ehemann kehrte kurz darauf wieder nach Chur zurück, wo er vermutlich dann auch starb.
Elisabeth Köhl, welche von Geburt an geistig beeinträchtigt war, wohnte bis zum Tod ihres Vaters mit diesem zusammen. Sie zog nach dessen Tod in das Haus an der Bondastrasse 41. Dieses erwarb ihre Schwester Eva nach ihrer Rückkehr nach Chur. Die beiden Schwestern wohnten dort zusammen. Sie starb im Alter von 75 Jahren, unverheiratet und kinderlos, im Haus ihrer Schwester.
Maria Köhl heiratete 1901 den Ingenieur Hans Killias. Hans Killias hatte 1890 das Technikum in Winterthur als Bautechniker abgeschlossen, war dann Baukontrolleur der Stadt Chur und Stadtwerkmeister. Er kaufte 1910 das Wohnhaus an der Lürlibadstrasse 14 (Nahe der Villa Schönfels), in welchem das Paar mit ihrem Sohn bis zu ihrem Tode wohnten. Ihr Sohn Hans Christian Killias bestand 1926 an der eidg. Technischen Hochschule das Examen als Forstingenieur und stieg dann auf bis zum kantonalen Kreisoberförster. Dessen Sohn Rudolf Killias war ein bekannter Churer Eishockey-Spieler und spielte zusammen mit Christian Köhl beim EHC Chur. Ruedi Killias war danach Schweizer Eishockeytrainer, der während seiner Laufbahn unter anderem die Nationalmannschaften der Schweiz und Österreichs trainierte. Auf Vereinsebene war er ebenfalls in beiden Ländern aktiv und führte den EV Innsbruck zum österreichischen Meistertitel. Er war auch Mitbegründer des Davoser Spenglercup. Sein jüngerer Bruder, Eduard Killias, war auch ein begeisterter Eishockeyspieler und spielte ebenfalls mit den Gebrüdern Köhl beim EHC. Eduard absolvierte 1963 zusammen mit Kurt Köhl einen WK in Lostallo.
Ursula Köhl heiratete den wohlhabenden Möbelfabrikanten Gustav Adolf Gmelin und hatte mit diesem fünf Kinder, vier Töchter und einen Sohn, welche alle heirateten und Nachkommen hatten. Diese Nachkommen leben auch heute noch in Chur.
Christian Köhl arbeite nach seinen Wanderjahren in der SBB-Werkstätte und zog mit seiner Familie nach Araschgen.
Peter Köhl arbeite viele Jahr als Stadtwerkmeister beim Bauamt Chur.
Eva Köhl arbeite zwar nach ihrer Lehre als Hoteliere immer wieder ausserhalb von Chur, kehrte aber immer wieder zur Familie zurück. Sie wohnte bis zum Tod ihres Vaters mit ihrer Schwester an der Bondastrasse 10. Nach dessen Tod heiratete sie 1926 den Engadiner Martin Jüst und zog nach St. Moritz. Sie kehrte nach dem Tod ihres Gatten kinderlos, aber wohlhabend, nach Chur zurück und wohnte bis zu ihrem Tod in ihrem Haus an der Bondastrasse 41.
Quellen:
16: Churer Stadtgeschichte, Ursula Jecklin, 1993, StadtAC, Stadt Chur,
65: Protokoll der Armenpflege Chur, Armenpflege, 1880, StadtAC, AB III/P 06.01-11
83: Unterlagen betreffend Stelle Polizeidiener, Stadtweibel, 1876, StadtAC, B II/2.0003.06422, Stadt Chur,
84: Das Churer Totengut, Leza Dosch, 2013, Bündnerisches Monatsblatt
85: Antrag Auswanderung Christian Köhl, Stadtrat Chur, 1873, StadtAC, AB III/P 01.098, Stadtkanzlei Chur, Ziffer 310
86: Unterlagen und Korrespondenz des Schulrates betr. Stelle Schuldiener, Schulrat Stadt Chur, 1879, StadtAC, B II/2.0003.04983
106: Stammbaum Familie Gmelin, Moritz Gmelin, 1877
Christian Köhl, Sohn des in die USA geflüchteten Schmieds Simeon Köhl, wuchs im Waisenhaus in Chur auf. Er kämpfte mit der Armut und den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in Chur und versuchte mehrmals auszuwandern, ohne Erfolg.
Die Biographie zu Christian Köhl ist nur für registrierte Benutzer zugänglich.